Donnerstag, 21. Juli 2011

Ich möchte das Erdbeermädchen sein.

Sechs Uhr läutet der Wecker die tägliche Routine ein. Mein Körper steht eine halbe Stunde später nach etlichem Drücken der Schlummertaste auf. Ich schlafe weiter.
Vor Jahren verspürte ich den Wunsch irgendwas Soziales machen zu wollen. Leuten helfen. Aber bitte nicht die ganz schweren Fälle. Und was mit Bildung wäre auch nicht schlecht. Nach einem praxisfremden Studium fühlte sich die Realität gut an. Es lief. Eine Weile. Gut.
Doch dann kamen die negativen Schwingungen. Mürrische Kollegen. Keine gute Stimmung mehr. Die demotivierten Hartz IV-Kinder beginnen mir egal zu sein. Achselzucken und Ämtermentalität. Eltern resigniert, Schule versagt, Gangsterfreunde mit zu großem Einfluss, die große Stadt voller Verlockungen, Kohle vom Amt. Ein Sog, in dem ich mich nicht mehr wie Don Quijote fühlen mag. Ich bin raus, Leute. Mein befristeter Vertrag endet hier, schon bald auch offiziell.
Morgens auf dem Weg zur Arbeit radel ich an einer großen Erdbeere aus Plastik vorbei. Auf dem Nachhauseweg wieder. Dann ist die Erdbeere geöffnet und in ihr steht ein Mädchen mit langen blonden Haaren und Sommersprossen. Sie lächelt. Immer. Als wären Erdbeeren ihre einzig wahre Passion, überreicht sie mir meine Schale mit einem halben Kilo der süßen roten Frucht. Ich soll es mir schmecken lassen und einen schönen Tag haben.
Ich möchte das Erdbeermädchen sein.
Doch die Erdbeeren werden kleiner und kleiner. Der Tag wird kommen, an dem das Fenster der großen Plastikerdbeere geschlossen sein wird. Ende der Saison.

Samstag, 18. Juni 2011

...



Alles würde wieder gut? War es das jemals?

...

Der Spießer im Caropijama, den ich in der Zwischenzeit echt lieb gewonnen hatte, und ich werden wohl wieder getrennte Wege gehen. Es geht um Erwartungen, die er nicht zu erfüllen vermag. Die Liebe ist ein Arschloch! Und ich werd mich jetzt betrinken. Alleine.

Sonntag, 17. April 2011

Helden der Nacht

Die Party ist vorbei und wenn ich jetzt ins Bett gehe, habe ich noch mehr vom Tag. Es ist Frühling und zu den schönsten Momenten der Wochenenden gehört es, nach dem Club im aufwachendem Tage nach Hause zu gehen. Die Stadt ist groß und der Weg weit.
Am Alexanderplatz warte ich auf die U8. Ein paar Meter weiter wartet auch der Jungschauspieler Robert mit kajalbemalten Augen und einer Gruppe hipper junger Großstadtmenschen. Eine Frau beißt erst in ein Brötchen, dann an ihm. Während ich dies beobachte muss ich angestrengt einen Afrikaner ignorieren, der mir mit seinem „How are you“s von der Seite anfängt dolle auf die Nerven zu gehen. Die Bahn kommt. „Nach Herrmannstraße einsteigen!“ albert der Jungschauspieler rum und nimmt noch einen Schluck aus seiner Becksflasche.
Bald darauf muss ich an der Heinrich-Heine-Straße 17 Minuten auf den N65er warten. Gegenüber an der Dönerbude stehen die Kids Schlange, um ihr letztes Geld für Gemüse und Fleisch im Brot mit scharfer Soße auszugeben. Morgen werden sie sich nicht mehr daran erinnern können. Nicht weit entfernt fährt ein Junge mit einem witzigen Fahrrad, großes Hinterrad, kleines Vorderrad, ein Lenkrad anstelle eines Lenkers, unkontrolliert auf der Straße herum. Seine Freundin, leicht in Panik, versucht mit einem harschem „Jakob! Komm jetzt hierher!“ die Gefahr seines baldigen Todes durch einen Verkehrsunfall zu minimieren. „Lass mich, ich bin ein Superheld!“
Sonntagmorgen in der Hauptstadt. Der Bus kommt. Der Vorhang fällt.

Freitag, 15. April 2011

Drei Tage alte Erinnerung

Ich tapse auf Wolken, immer bedacht, nicht runterzufallen.
Der Frühling hat mich geküsst und mit ihm kam ein Mann. Ich lasse mich ein auf ein Spiel. Eigentlich, ja eigentlich habe ich aber gar keine Lust zu spielen und fühle mich wie ein bockiges kleines Kind. Und ich werde zornig vor Wut, wenn doch niemand mit mir spielen will. Woher soll ich wissen, was ich will, wenn die Angst in einer Ecke meines Herzens sitzt und mir den Stinkefinger zeigt?
Ich hüpfe auf einem Trampolin, dass sich Vertrauen nennt. Je höher ich springe, je tiefer falle ich. Und ich wünsche mir einfach nur, festgehalten zu werden.

Dienstag, 5. April 2011

Feeling insecure

Es ist an der Zeit. Ich knutsche wieder. Und diesmal ist es nicht einfach nur so, wegen dem Suff oder wegen der fordernden Neugierde, die sich hartnäckig keinen Korb geben lassen will.
Es ist mehrmals hintereinander passiert, mit dem selben Mann und es hat großen Spaß gemacht.
Zitternd steh ich da und lasse mich von ihm umarmen.

Sister of night, heal me!

Samstag, 19. Februar 2011

nichtdurstig

Ich soll trinken. Ich soll viel Wasser trinken. Ich soll jeden Tag drei Liter Wasser trinken.
Ich hab die Schnauze voll davon. Ich will nicht mehr trinken. Ich will verdursten.

Dienstag, 25. Januar 2011

Caropyjama

Meine Haare haben neue alpine grüne Strähnchen. Es ist Samstagabend in einem Club. Von der Party vorab haben mein Begleiter und ich einen anderen Partybesucher mitgenommen, von unterwegs noch ein Fläschen Sekt.
Mal wieder bin ich aufgeregt, Fred zu treffen. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde. Alles ist möglich. Schläge, Gleichgültigkeit, Hysterie, Tränen, Lachanfall. Er ist nicht da und nimmt mir so die Chance es herauszufinden.
Egal, es gibt Wein, eine Tanzfläche und der neue mitgenommene Begleiter ist ja auch noch da. Irgendwann sitze ich mit ihm auf einem Sofa und bitte ihn, mir ein Wasser zu holen. Mir ist ein bisschen schlecht, ich wünsche mir ein Bett und denke kurz darüber nach, mich auf der Toilette zu übergeben, um die Welt anzuhalten. Aber das macht ja keinen Spaß, also halte ich durch. Wir gehen und später wundere ich mich kein bisschen, im Schlafzimmer des neuen Bekannten zu stehen. Offensichtlich gab es gute Gründe dafür. Während ich noch versuche, mir diese zusammenzureimen, steht der fremde Mann plötzlich im Karopyjama vor mir. Ich hatte mal einen Freund, der Schlafanzugträger war und seine Schlafanzüge waren für mich das Sinnbild seiner Spießigkeit. Fluchtgedanken packen mich kurz, aber der Alkohol in meiner Blutbahn hindert mich am Losrennen. Drei Sekunden später verfalle ich in Tiefschlaf, wofür ich am nächsten Vormittag großen Respekt ausgesprochen bekomme. Ich wundere mich über alles, aber nicht darüber, dass ich den Pyjamaträger nun zu einer Wohnungsbesichtigung begleite. Wir hatten das wohl so geplant. Mein Angebot zum Minigolf spielen im Anschluss lehnt er allerdings ab, er müsse mal schlafen. Sag ich doch, Spießer.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

The weeping song

„Du weißt aber schon, dass wir heute noch zu einer Ballade tanzen?!“
Wir hatten uns schon ein paar Mal gesehen und miteinander unterhalten, um uns gut genug zu kennen, dass wir uns mit einem Küsschen auf die Wange begrüßen. Diesmal war eine der Nächte, der ein Zauber inne wohnt. Sie sind einfach da oder sind es eben nicht, da hilft kein Wünschen und Hoffen. In diesen Nächten schmecken die Drinks besser, die Augen der Leute leuchten, das Licht auf der Tanzfläche spielt mit den Tänzern und der DJ macht keine Fehler.
Ich trug die Leichtigkeit spazieren und freute mich, einfach nur da zu sein, am richtigen Ort zu sein. Nick Cave wurde gespielt und wir beschlossen, das ist unser Lied, der Startschuss zum Körperkontakt. Ein paar Bedenken tanzten mit, wir sind immer ein Produkt unserer Umwelt. This is a weeping song, but I won't be weeping long. Die Zeit verging im Takt der Musik, wir tanzten viel und küssten viel. Mein letzter ernsthafter Kuss war Lichtjahre her. Das hier waren keine ernsthaften Küsse, aber sie fühlten sich verdammt gut an, weich und auf eine alberne Art zeichensetzend. Heute ist die erste Nacht vom Rest meines Lebens. Ich will wieder mitspielen, habe mich lang genug versteckt. Wir unterhalten uns über Veränderung und darüber wie gut mir meine steht, nicht nur die äußerliche. Der Mann überrascht mich mit seinen Äußerungen, er scheint ein genauer Beobachter zu sein. Entweder liegt es an meiner Leichtigkeit oder wir kennen uns besser, als ich annahm. Ich will es nicht näher wissen, der Zauber dieser Nacht muss geschützt werden.
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Von der tristen Melancholie in der Leichtigkeit des Moments

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