Leben leben

Sonntag, 17. April 2011

Helden der Nacht

Die Party ist vorbei und wenn ich jetzt ins Bett gehe, habe ich noch mehr vom Tag. Es ist Frühling und zu den schönsten Momenten der Wochenenden gehört es, nach dem Club im aufwachendem Tage nach Hause zu gehen. Die Stadt ist groß und der Weg weit.
Am Alexanderplatz warte ich auf die U8. Ein paar Meter weiter wartet auch der Jungschauspieler Robert mit kajalbemalten Augen und einer Gruppe hipper junger Großstadtmenschen. Eine Frau beißt erst in ein Brötchen, dann an ihm. Während ich dies beobachte muss ich angestrengt einen Afrikaner ignorieren, der mir mit seinem „How are you“s von der Seite anfängt dolle auf die Nerven zu gehen. Die Bahn kommt. „Nach Herrmannstraße einsteigen!“ albert der Jungschauspieler rum und nimmt noch einen Schluck aus seiner Becksflasche.
Bald darauf muss ich an der Heinrich-Heine-Straße 17 Minuten auf den N65er warten. Gegenüber an der Dönerbude stehen die Kids Schlange, um ihr letztes Geld für Gemüse und Fleisch im Brot mit scharfer Soße auszugeben. Morgen werden sie sich nicht mehr daran erinnern können. Nicht weit entfernt fährt ein Junge mit einem witzigen Fahrrad, großes Hinterrad, kleines Vorderrad, ein Lenkrad anstelle eines Lenkers, unkontrolliert auf der Straße herum. Seine Freundin, leicht in Panik, versucht mit einem harschem „Jakob! Komm jetzt hierher!“ die Gefahr seines baldigen Todes durch einen Verkehrsunfall zu minimieren. „Lass mich, ich bin ein Superheld!“
Sonntagmorgen in der Hauptstadt. Der Bus kommt. Der Vorhang fällt.

Freitag, 15. April 2011

Drei Tage alte Erinnerung

Ich tapse auf Wolken, immer bedacht, nicht runterzufallen.
Der Frühling hat mich geküsst und mit ihm kam ein Mann. Ich lasse mich ein auf ein Spiel. Eigentlich, ja eigentlich habe ich aber gar keine Lust zu spielen und fühle mich wie ein bockiges kleines Kind. Und ich werde zornig vor Wut, wenn doch niemand mit mir spielen will. Woher soll ich wissen, was ich will, wenn die Angst in einer Ecke meines Herzens sitzt und mir den Stinkefinger zeigt?
Ich hüpfe auf einem Trampolin, dass sich Vertrauen nennt. Je höher ich springe, je tiefer falle ich. Und ich wünsche mir einfach nur, festgehalten zu werden.

Dienstag, 5. April 2011

Feeling insecure

Es ist an der Zeit. Ich knutsche wieder. Und diesmal ist es nicht einfach nur so, wegen dem Suff oder wegen der fordernden Neugierde, die sich hartnäckig keinen Korb geben lassen will.
Es ist mehrmals hintereinander passiert, mit dem selben Mann und es hat großen Spaß gemacht.
Zitternd steh ich da und lasse mich von ihm umarmen.

Sister of night, heal me!

Dienstag, 25. Januar 2011

Caropyjama

Meine Haare haben neue alpine grüne Strähnchen. Es ist Samstagabend in einem Club. Von der Party vorab haben mein Begleiter und ich einen anderen Partybesucher mitgenommen, von unterwegs noch ein Fläschen Sekt.
Mal wieder bin ich aufgeregt, Fred zu treffen. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde. Alles ist möglich. Schläge, Gleichgültigkeit, Hysterie, Tränen, Lachanfall. Er ist nicht da und nimmt mir so die Chance es herauszufinden.
Egal, es gibt Wein, eine Tanzfläche und der neue mitgenommene Begleiter ist ja auch noch da. Irgendwann sitze ich mit ihm auf einem Sofa und bitte ihn, mir ein Wasser zu holen. Mir ist ein bisschen schlecht, ich wünsche mir ein Bett und denke kurz darüber nach, mich auf der Toilette zu übergeben, um die Welt anzuhalten. Aber das macht ja keinen Spaß, also halte ich durch. Wir gehen und später wundere ich mich kein bisschen, im Schlafzimmer des neuen Bekannten zu stehen. Offensichtlich gab es gute Gründe dafür. Während ich noch versuche, mir diese zusammenzureimen, steht der fremde Mann plötzlich im Karopyjama vor mir. Ich hatte mal einen Freund, der Schlafanzugträger war und seine Schlafanzüge waren für mich das Sinnbild seiner Spießigkeit. Fluchtgedanken packen mich kurz, aber der Alkohol in meiner Blutbahn hindert mich am Losrennen. Drei Sekunden später verfalle ich in Tiefschlaf, wofür ich am nächsten Vormittag großen Respekt ausgesprochen bekomme. Ich wundere mich über alles, aber nicht darüber, dass ich den Pyjamaträger nun zu einer Wohnungsbesichtigung begleite. Wir hatten das wohl so geplant. Mein Angebot zum Minigolf spielen im Anschluss lehnt er allerdings ab, er müsse mal schlafen. Sag ich doch, Spießer.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

The weeping song

„Du weißt aber schon, dass wir heute noch zu einer Ballade tanzen?!“
Wir hatten uns schon ein paar Mal gesehen und miteinander unterhalten, um uns gut genug zu kennen, dass wir uns mit einem Küsschen auf die Wange begrüßen. Diesmal war eine der Nächte, der ein Zauber inne wohnt. Sie sind einfach da oder sind es eben nicht, da hilft kein Wünschen und Hoffen. In diesen Nächten schmecken die Drinks besser, die Augen der Leute leuchten, das Licht auf der Tanzfläche spielt mit den Tänzern und der DJ macht keine Fehler.
Ich trug die Leichtigkeit spazieren und freute mich, einfach nur da zu sein, am richtigen Ort zu sein. Nick Cave wurde gespielt und wir beschlossen, das ist unser Lied, der Startschuss zum Körperkontakt. Ein paar Bedenken tanzten mit, wir sind immer ein Produkt unserer Umwelt. This is a weeping song, but I won't be weeping long. Die Zeit verging im Takt der Musik, wir tanzten viel und küssten viel. Mein letzter ernsthafter Kuss war Lichtjahre her. Das hier waren keine ernsthaften Küsse, aber sie fühlten sich verdammt gut an, weich und auf eine alberne Art zeichensetzend. Heute ist die erste Nacht vom Rest meines Lebens. Ich will wieder mitspielen, habe mich lang genug versteckt. Wir unterhalten uns über Veränderung und darüber wie gut mir meine steht, nicht nur die äußerliche. Der Mann überrascht mich mit seinen Äußerungen, er scheint ein genauer Beobachter zu sein. Entweder liegt es an meiner Leichtigkeit oder wir kennen uns besser, als ich annahm. Ich will es nicht näher wissen, der Zauber dieser Nacht muss geschützt werden.

Dienstag, 16. November 2010

Der Schuhverschenker

Vielleicht finde ich seine Nachricht etwas strange, schreibt er. Ja!
Er ist der Schuhverschenker, geht gern Schuhe kaufen und mag Schuhe putzen auch total. Der Schuhverschenker hat auf meinem Profil gesehen, dass ich auf Dr. Martens stehe. Vielleicht bräuchte ich ja ein paar neue oder etwas passendes für den Herbst. Eine Gegenleistung will er nicht. Wir treffen uns zum Schuhe kaufen. Ich suche mir aus, was mir gefällt. Er bezahlt. Von mir bekommt er dann meine alten Docs. Das sei der Deal.
Geschichten, die das Leben schreiben. Ich mag so was. Und so verabreden wir uns an einem Montagabend für Mittwoch. Er freut sich schon.
Alles was ich über Fetischismus weiß, weiß ich von Domian. Es war nicht viel. Und nun saß irgendwo in dieser Stadt jemand, der sich freute und an Schuhe dachte. Auch an mich? Mich selbst hatte das Thema auch gepackt. Ich stöbere im Taschenlampenlicht in meinem Keller herum, bis mir dann doch einfiel, dass ich die löchrigen Docs längst in den Müll geworfen hatte. Es werden also meine lila schimmernden Lieblinge das Tauschgeschäft eingehen müssen. Als ich aus dem Keller kam, durchsuchte ich online die aktuelle Dr. Martens Kollektion und traf eine Vorauswahl. Am nächsten Tag probierte ich das neue Objekt der Begierde vor Ort. Der Verkäufer war beeindruckt von meinem lila Schimmer-Modell und der Meinung, die würde es in Deutschland gar nicht geben. Meine London-Weihnachtsmarkt-Erinnerung kam hoch und wie ich 60 Pfund von meinem Vorschuss dem Verkäufer in Camden in die Hand drückte, der eigentlich einen Fünfer mehr wollte und ganz beleidigt tat. Was soll‘s! Der Lack blättert ab, das Leder wird brüchig und ich werde eine neue Geschichte fürs drandenken gewinnen.
Gut vorbereitet kam ich am Laden an, der Schuhverschenker stand schon davor. Ein etwas mopsliger Typ mit Brille und in feinem Zwirn. Wir schüttelten brav Hände und führten Small Talk bis er mir die Tür aufhielt. Der Verkäufer erkannte mich vom Tag zuvor, packte die Schuhe aus und schneller als ich blicken konnte, kniete der Schuhverschenker vor mir und wollte beim Ausziehen und Anziehen behilflich sein. Es war mir etwas peinlich, das Leder war widerspenstig. Ich flanierte vorm großen Spiegel, war zufrieden. Für den Schuhverschenker schien die Welt auch in Ordnung zu sein. Good bye Schimmerschuh. Er packte sie in den Karton, trug ihn zur Kasse und ließ locker ein paar Scheine über die Theke wandern.
Vor der Tür bedankte er sich brav. Ich versicherte, dass ich Spaß gehabt hatte und feierte die Aktion innerlich mit einem Lachanfall. Während wir uns die Hände zum Abschied schüttelten, erklärte er mir noch seine Schuhputzangebotspalette. Ich bräuchte mich nur zu melden und dann wird poliert. Wir sagten Tschüß und gingen getrennte Wege.
Ich hatte ihm noch nicht einmal auf die Schuhe geschaut. Aber ich gehe davon aus, sie waren ordentlich sauber.
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Von der tristen Melancholie in der Leichtigkeit des Moments

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